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Einige Wochen später war es so weit: Feline würde den letzten Abschnitt ihrer Reise in Angriff nehmen. Sie hatte Shresth Bescheid gesagt und er war mehr als nur willig gewesen, eine möglichst schnelle Abfahrt zu organisieren. Nach all den Jahrhunderten hatte er sich immer noch nicht an Feline gewöhnt und war froh, sie wieder los zu sein. Der Abschied von Mas’ud, Asria, Persephone, Khenda und der Frah (die wohl ewig namenlos bleiben würde) war ein herzlicher. Der einzige Miesmacher war Shresth, der die ganze Zeit ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden tappte. Feline beschloss, ihn zu ignorieren. Selbst der König hatte einen Boten geschickt und ihr alles Gute auf ihrer weiteren Reise gewünscht. Da war Shresth wirklich nicht wichtig – trotz Beerenkuchen. Feline grinste.

Noch ein letztes Mal umarmte sie ihre Freunde, dann stieg sie auf das Boot. Noch lange, nachdem sie abgelegt hatten, winkte Feline Richtung Festland und sie hätte schwören können, ihre Freunde zurückwinken zu sehen. Seufzend wandte sich Feline nach einer Weile ab und drehte sich um. Es war Zeit, nach vorne zu blicken. Umso mehr erschrak sie, als sie nichts sah.
„Endlich fertig mit Winken? Sie konnten dich sowieso schon lange nicht mehr sehen.“
„Shresth! Was machst du denn auf dem Boot?“, rief Feline überrascht aus.
„Irgendjemand muss doch sicherstellen, dass du nicht wieder zurückkommst“, erwiderte dieser bloß und drehte sich um. „Stell ja nichts an, während wir auf See sind. Das Boot lädt nur dich ab; der Rest von uns muss heil wieder zurückkehren können.“ Damit ging er zum Steuermann, um diesem weitere Befehle zu erteilen. Feline löste sich langsam aus ihrer Erstarrung und begann, sich auf dem Schiff umzusehen. Immerhin wollte sie wissen, wo sie die nächsten zwei Wochen verbringen würde.

Am fünften Abend auf See beschlossen die Seemänner, ein kleines Fest zu feiern. Einen Grund hatten sie keinen, Material dafür aber schon. So kam es, dass am Abend die ganze Crew auf Deck versammelt war und fröhlich aß und trank, was gerade in der Nähe war. Selbst Shresth nahm an den Feierlichkeiten teil. Er saß aber mit mehr oder weniger missmutigem Gesicht am Rande der Gesellschaft und stierte in sein Glas. Aber er war da. Und es ist schließlich der Gedanke, der zählt.
Grinsend lauschte Feline den Seemannsgarngeschichten, die die Elfen zum Besten gaben. Einige waren erstaunlich realistisch, andere purer Quatsch. Einer stand sogar plötzlich auf und hob sein Hemd, um auf eine Riesennarbe auf seinem Bauch zu zeigen und zu behaupten, sie stamme von einem Drachen. Natürlich glaubte ihm niemand ein Wort und er lacht lauthals los, nur um danach die wahre Geschichte hinter der Narbe zu erzählen. Feline lachte fröhlich mit den Seemännern mit. Nach einer Weile störte es sie aber ungemein, dass Shresth so ausgeschlossen war. Kurz entschlossen setzte sie sich zu ihm. Verwirrt sah er sie an.
„Was ist?“
„Ach, weißt du, von hier aus sieht man den Himmel besser. Je ruhiger es ist, desto mehr Sterne erscheinen, weißt du?“, sagte Feline leichthin und lehnte sich auf ihre Arme zurück. „Warum gesellst du dich nicht auch zu uns? Ist doch langweilig, so ganz alleine…“
„Danke“, erwiderte Shresth frostig. „Aber ich bin gern alleine.“
„Kann ich verstehen, bin ich manchmal auch. Aber es tut auch gut, ab und zu einen Haufen Leute um sich herum zu haben. Hebt die Laune, verstehst du?“ Feline schloss die Augen, den Kopf gegen den Himmel gerichtet. „Außerdem ist es Balsam für die Seele.“
Shresth schwieg, starrte die feiernde Gruppe jedoch gedankenverloren an.
„Vielleicht ein anders Mal“, murmelte er leise. Feline schmunzelte zufrieden.

„Hach, Seeluft tut unwahrscheinlich gut! Findest du nicht auch, Shresth?“ Grinsend wandte Feline ihren Blick zum Elfen, der missmutig etwas weiter weg stand.
„Willst du mich unbedingt ärgern? Seitdem wir auf dem Schiff sind, verfolgst du mich auf Schritt und Tritt.“ Felines Grinsen vergrößerte sich.
„Ich dachte nur, wenn wir schon so lange am selben Ort sein müssen, könnten wir uns doch vertragen. Wäre ja schade, wenn wir uns die ganze Zeit streiten würden. Besonders bei diesem herrlichen Wetter!“ Genüsslich streckte Feline ihren Kopf wieder in den Wind, was ihre langen Haare herumwirbeln ließ. Shresth stellte sich neben sie.
„Wir müssten uns nicht ertragen, wenn du mir nicht folgen würdest. Das Boot ist groß genug, dass wir uns ignorieren können.“ Feline drehte sich um und lehnte nun mit dem Rücken an die Reling.
„Sei doch nicht so ein Miesepeter. Der Tag ist schön, die Aussicht ist herrlich… Was wünscht man sich mehr?“ Feline seufzte zufrieden. Shresth ignorierte sie und genoss die Aussicht. Darin hatte Feline wirklich Recht.

Nachdem die zwei Wochen um waren, verabschiedete Feline sich erneut von Elfen, diesmal von den Seemännern, die die Reise zu einem fröhlichen Ereignis hatten werden lassen. Dafür war Feline dankbar. Shresth stand wie vor zwei Wochen ungeduldig vor dem Schiff. Dieses Mal ignorierte ihn Feline aber nicht, sondern verabschiedete sich auch von ihm mit ein paar wenigen Worten. Er schien jedoch fest entschlossen, sie möglichst schnell loszuwerden und ließ sich in kein letztes Gespräch verwickeln. Etwas enttäuscht wandte sich Feline ab. Sie winkte den Seemännern zum Abschied noch zu, dann schulterte sie ihre Reisetasche und ging Richtung Akur. Ihre Reise würde noch etwas dauern; Akur befand sich ziemlich im Landesinneren von Insìdegra, weit von der Küste entfernt. Kaum hatte Feline jedoch die ersten Schritte gemacht, erklang Shresths Stimme.
„Viel Glück.“
Erstaunt drehte sich Feline um und sah dem sich bereits entfernenden nach. Shresth hatte die Hand zum Abschied erhoben. Fröhlich winkte Feline zurück. „Dankeschön!“ Dann drehte sie sich endgültig um und ging, Akur als Ziel vor ihren Augen.



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